Siffen & Kokeln FAQ

Was man gegen Kokeln, Siffen & Blubbern tun kann, und eine ausführliche Erklärung der physikalischen Hintergründe.


Inhalt

Der Landfrauenverband Quarrendorf-West urteilt in seinem Fachjournal „Dung & Duft“: „Auf wolke101 gibt es tatsächlich keinen Haufen Mist!“.
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Unter Druck!

Zunächst mal muss man wissen das die meisten Verdampfer nach dem Unterdruck-Prinzip arbeiten. Ein Verdampfer muss den Spagat schaffen das er einerseits nicht ausläuft, anderseits aber Liquid an die Wicklung abgibt. Es muss also irgendwo ein Loch geben durch dass das Liquid zur Wicklung laufen kann.
Damit das Liquid nicht von selbst läuft, verschließt man dieses Loch mit einem Docht aus Watte, oder ähnlichem. Diese „Abdichtung“ würde im Prinzip nicht ausreichen. Aber da der Tank an allen anderen Stellen luftdicht ist, baut sich ein Unterdruck im Tank auf welcher das Liquid im Tank hält. Es ist das gleiche Prinzip wie beim „Trick“ mit dem umgedrehten Bierglas und dem Untersetzer. Das Liquid würde gerne raus, aber da sich die Luft im Tank nur begrenzt dehnen lässt bleibt alles an seinem Platz.
Nur das Eindringen von Luft könnte jetzt den Unterdruck verringern und so ein Auslaufen des Liquids bewirken. So weit, so gut.

Ursachen & Lösungen für Siffen und Blubbern

  1. All In One Geräte & Akku laden
    Wenn Deine Dampfe sifft oder blubbert nachdem Du den Akku aufgeladen hast schau bitte hier: Siffen & Blubbern beim Akku-laden.
  2. Tank undicht: Defekte oder fehlende Dichtungen
    Fast alle Dichtungen im Verdampfer haben die Aufgabe das Auslaufen des Liquids aus dem Tank zu verhindern. Liquid läuft aber manchmal gar nicht dort aus wo die Dichtung nicht dichtet, sondern über die Verdampferkammer runter in die Basis, und von dort aus den Luftlöchern raus. Das liegt daran das über eine defekte Dichtung Luft in den Tank gezogen wird, wodurch der Unterdruck im Tank nicht aufrecht erhalten werden kann.

    Dichtungen können auch durch falschen Einbau undicht sein. Alles sollte gut gereinigt sein. Dann sollten Dichtungen immer feucht eingebaut werden. Ab besten bestreicht man sie mit etwas Liquid oder purem VG. Bitte keine Vaseline oder andere Öl-haltige Produkte – die haben im Verdampfer nichts zu suchen!
    Der „feuchte Einbau“ sorgt dafür das alles schön leichtgängig flutscht und die Dichtungen beim Zudrehen keinen längsseitigen Torsionskräften ausgesetzt sind und beschädigt werden.

    Beim Reinigen muss man aufpassen das keine Dichtung verloren geht. Besonders transparente Silikondichtungen sind im Wasser teils sehr schlecht zu sehen und schnell weggekippt…

  3.  Verdampferkopf /RBA nicht richtig eingedreht
    Wenn der Verdampfer Verdampferköpfe hat, dann müssen die so festgeschraubt sein das die Dichtung am Gewinde dichten kann wie Goethe – sonst Siff.
    Die Köpfe können sich unter Umständen auch mal beim Nachtanken lösen. Wenn das Luftrohr stramm im Verdampferkopf sitzt, dann kann es den Verdampferkopf etwas mitdrehen, wenn man den Tank aufschraubt. Das sieht man dann meist gar nicht – also ggf. auf ausreichend festen Sitz prüfen.
     
  4. Zu starker Zug. Besonders Rauch-Umsteiger neigen dazu zu stark & kurz an einer Dampfe zu ziehen. Bei Dampfen mit hohem Zugwiderstand führt das dazu das Liquid aus dem Tank gesogen wird. Im Extremfall sogar so viel das es im Mund landet.
    Abhilfe bringt ein langsamerer, längerer Zug, oder ein Verdampfer mit Airflow Control, bei dem man den Zugwiderstand so einstellen kann das er leichter wird.
     
  5. Luftloch zu: die meisten Verdampfer haben ihre Luftlöcher unten. Beim dampfen kann man die versehentlich zuhalten. Wenn dann nicht ausreichend Luft nachströmen kann, dann saugt man Liquid aus dem Tank, in die Verdampferkammer.
    Luftlöcher können sich auch mal zusetzen, durch Liquidreste, Handschweiss und dem Staub in der Luft, der zum Teil beim Zug daran kleben bleibt. Ggf. mit einer Nähnadel ausstochern…
     
  6. Tank wird zu warm (liegt in der Sonne zB). Das Liquid dehnt sich aus und drückt in die Verdampferkammer hinein. Zudem wird es durch Wärme extrem dünnflüssig, wodurch dann Punkt 6 und 7 zum tragen kommen…
     
  7. Änderung des Luftdrucks durch Höhenunterschiede (Flugzeug, Bergtour, Mars-Mission). Bei schwankendem Umgebungsluftdruck tritt ein Pumpeffekt ein, wodurch ungewollt Liquid in die Verdampferkammer läuft (siehe auch unten „Warum große Verdampfer leichter blubbern & siffen„.
     
  8. Liquid zu dünnflüssig. Bei hohem PG oder Wasseranteil wird das Liquid sehr dünn, wodurch die Abdichtung zur Verdampferkammer irgendwann nicht mehr funktioniert, siehe nächster Punkt:
     
  9. Ungenügende Abdichtung der Verdampferkammer
    Die Abdichtung der Verdampferkammer wird in der Regel direkt mit dem Wicklungsdocht gemacht, meist aus Watte. Diese verschließt einerseits das Loch zum Tank, ist aber durchlässig genug damit Luft in den Tank gelangen kann. Watt? Hatten wir nicht oben festgestellt das die Watte dafür sorgt das KEINE Luft in den Tank gelangt? Ja, solange der Verdampfer nichts verdampft ist das auch so. Wenn aber Liquid verdampft wird, passiert folgendes:

    • Liquid verdampft, der Docht wird trockener.
    • Die Kapillarkraft des Dochtes zieht sich nun einfach etwas Liquid aus dem Tank – unter heftigem Protest des Unterdrucks im Tank!
    • Da der Unterdruck irgendwann auf 180 ist, saugt er so stark an der Watte rum bis diese ihm im Austausch etwas wertlose Luft aus der Verdampferkammer überlässt.
      Das funktioniert, weil Luft sich nicht am Docht „festhalten“ kann, ganz im Gegensatz zum viel zähflüssigeren Liquid, das sich nach wie vor in den Fängen von Adhäsion und Kapillarkraft befindet. Deshalb ist es die dünne Luft die in den Tank gezogen wird, solange bis der Unterdruck wieder schwach genug ist.

Die Tank-Verdampferkammer-Abdichtung funktioniert also ähnlich wie eine Membran. Flüssigkeit läuft in die eine Richtung, Luft in die andere. Die Abstimmung dieser Membran entscheidet über Siffen, Kokeln oder glückliches Dampfen. 🙂

Ist die Membran zu durchlässig, also die Watte zu dünn/locker, dann funktioniert der Austausch zwischen Flüssigkeit/Luft zu leicht, und es sifft permanent in die Verdampferkammer hinein, von wo aus sich das Liquid über die Luftkanäle den Weg ins Freie sucht…
Die Liquid-Löcher müssen zudem komplett von Watte bedeckt sein. Dort darf kein Loch oder Schlitz sichtbar sein, auch kein kleiner.

Ist die Membran zu undurchlässig, also die Watte zu fest, dann kann nicht genug Liquid nachfließen weil die Austausch-Luft nicht leicht genug hindurch kommt und die Wicklung beginnt zu kokeln.

Warum große Verdampfer leichter blubbern & siffen

In einen großen Tank passt mehr Liquid, ach watt, guck an, wieder was gelernt! 🙄 Es passt aber auch mehr Luft hinein wenn sich der Tank leert. Warum ist das ein Problem?

Luft kann gedehnt/gestaucht werden, im Gegensatz zu Flüssigkeiten. Man kann sich die Luft im Tank daher wie eine Feder vorstellen (liebe Ornithologen, ihr müsst jetzt an ein AUTO oder einen Kugelschreiber denken um in die richtige Spur zu kommen).

Ich habe oben bei Punkt 6 in der Verdampfungsbeschreibung etwas unterschlagen, nämlich das:

  • während des Zugs auch ein Unterdruck in der Verdampferkammer entsteht der seinerseits auch noch Liquid aus dem Tank saugen möchte (neben der Kapillarkraft des Dochtes).

Wie bereitwillig der Tank das Liquid herausgibt hängt davon ab wie kräftig die Luftfeder im Tank ist. Je größer die Luftfeder ist, desto weicher & dehnbarer ist sie, und desto bereitwilliger wird der Tank sich seines Inhalts entledigen.
Übertragen auf den Bierglas-Trick: probiert den mal mit fast vollem Glas (funktioniert) und dann einmal mit fast leerem Glas…

Bei großen Tanks mit niedrigem Füllstand (also viel Luft im Tank) ist die Luftfeder so lasch das es passieren kann das permanent winzige Mengen Liquid in den Docht laufen, von diesem abtropfen, und somit langsam aber sicher die Verdampferkammer fluten = Blubbern & Siffen. Deshalb können große Tanks häufig nicht allzu lange unbenutzt herumstehen ohne abzusaufen.

Je größer der Tank, desto genauer muss die Abstimmung der Membran passen, damit es bei leerem Tank nicht blubbert, bei vollem Tank aber auch noch soviel Liquid nachfließen kann das es nicht kokelt weil der Docht zu trocken läuft.
Bei Tanks bis etwa 3 ml ist die Abstimmung nicht schwierig, darüber muss man ggf. mit der Wattemenge etwas experimentieren.

Japanwatte (KGD, Muji, etc) erleichtert die Abstimmung enorm, da man sehr viel davon nehmen kann ohne das der Nachfluss ins Stocken gerät.
Man erreicht somit eine gute Abdichtung, bei hoher Kapillarkraft. Dadurch wiegen die Faktoren „Unterdruck im Tank“ und „Unterdruck in der Verdampferkammer beim Zug“ weniger schwer, und man bekommt leichter ein gutes Verhalten bei leerem UND vollem Tank.

Kokeln

Kokeln ist praktisch das Gegenteil von Siffen & Blubbern. Die Ursache ist fast immer das der Docht nicht genug Liquid transportiert (zuwenig Nachfluss).  Jeder Docht hat eine Leistungsgrenze, wieviel Liquid er heranschaffen kann.

Ursachen fürs Kokeln:

  1. Eindampfen: Eine frische Wicklung (oder Fertig-Verdampferkopf) sollte einige Züge mit sehr niedriger Leistung eingedampft werden, bis sich die Watte richtig gesättigt hat.
    Dochte aus Silika sollte man davor noch 5-10 Minuten stehen lassen, damit sie sich langsam vollsaugen können.
    Egal ob Watte oder Silika Dochte, beschleunigen kann man die Sättigung auch indem man abwechselnd an der Dampfe zieht und reinpustet, ohne zu Feuern. Dieser Luftdruck-Wechsel befördert den Liquid-/Luftaustausch ungemein, zu sehen an den aufsteigenden Luftbläschen im Tank… Aber nicht übertreiben, sonst blubbert es.
     
  2. Tank zu voll. Die meisten Verdampfer sind so gebaut das man nicht zuviel einfüllen kann. Befindet sich aber zuwenig/gar keine Luft im Tank dann ist der Unterdruck zu groß – Liquid kann nicht aus dem Tank gezogen werden. Das wäre das Gegenteil von „Warum große Verdampfer leichter blubbern & siffen„…
     
  3. Zuviel Watt-Leistung:  Ist die Wicklung zu heiß verdampft mehr Liquid als nachströmen kann.
     
  4. Zuviel Watte in der Wicklung. Dadurch werden die Zwischenräume zwischen den einzelnen Fasern zu klein, wodurch das Liquid nicht mehr gut durch den Docht laufen kann. „Japanwatte“ wie KGD (AM) ist extrem gutmütig – bei ihr kann man einfach „soviel wie möglich“ nehmen, der Nachfluss funktioniert trotzdem.
     
  5. Zuwenig Watte in der Wicklung. Dadurch hat die Watte keinen richtigen Kontakt zur Wicklung, welche dann nicht von Liquid gekühlt werden kann und stark überhitzt. Das kann zB einen scharfen metallischen Geschmack geben.
     
  6. Unsauber gewickelt. Beim selber wickeln immer darauf achten das man den Draht unter Zug hält. Sonst kann es passieren das einzelne Wendel höher stehen als andere. Diese werden dann nicht richtig mit Liquid versorgt, überhitzen und bringen schlechten Geschmack/Kokel.
     
  7. „Falsches“ Dochtmaterial: Watte bietet mehr Nachfluss als Silika/Glasfaserdochte.

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