Dampf-Aroma: Mehr ist weniger

Diagnose: Dampferzunge
Diagnose: Schwere „Dampferzunge“

Deine E-Zigarette schmeckt nicht mehr? In diesem Beitrag geht es um Geschmacksprobleme beim Dampfen.

Für Geschmacksverlust, bzw merkwürdige Irritationen beim Schmecken, gibt es eine häufige Ursache – und Lösung.


Inhalt

Falls bei den Begriffen im Beitrag Fragezeichen über'm Haupthaar aufplöppen: Abkürzungen & Begriffe

Dampferzunge

Zunächst mal, „Dampferzunge“ ist ein leicht irreführender Begriff. Mit dem Dampfen selbst hat das Phänomen gar nichts zu tun. Es würde genauso beim Essen oder Trinken auftreten – wenn man so Essen und Trinken würde wie man dampft… Isst man den ganzen Tag lang Kekse, oder Erdbeereis? Wohl kaum, Liebeskummer mal ausgenommen. 😉 Beim Dampfen kann es aber passieren das man länger / häufiger die gleichen Geschmäcker dampft, und dann passiert’s:

Geschmack im Eimer, statt in der Dampfe

Fast jeder Dampfer kommt irgendwann an einen der folgenden Punkte:

  • Das Liquid schmeckt fast nach nichts.
  • Es schmeckt chemisch.
  • Das Aroma schmeckt nach einem anderen Aroma (zB Erdbeere nach Banane oder noch viel wilder).
  • Der Geschmack ist „Bäh“, widerlich / eklig. Es kann im Extremfall tatsächlich nach äußerst unschönen Dingen schmecken, bzw die Assoziation dazu hervorrufen.

Der Klassiker für diese Probleme ist Aroma-Überdosierung und Überreizung / Abstumpfung des Geschmackssinns.

Es gibt auch noch andere mögliche Ursachen, welche hier nicht Thema sein sollen – nur als Ideengeber kurz angerissen:

  • Ungereinigte Verdampfer (neue Verdampfer können zB muffig oder chemisch schmecken): Verdampfer-Reinigung
  • Selbstmischer: Ungeeignete / ungereinigte Gefäße bei der Liquid-Herstellung/Lagerung…
  • Mangelnde Mundhygiene: Verwende Zungenschaber AM | EB | FT und Interdentalbürsten AM | EB | FT | GB.
  • Zu scharfes Essen.
  • Parallel noch Rauchen.
  • Medikamente die den Geschmacksinn beeinflussen (Beipackzettel anschauen).

Ich gehe in diesem Beitrag davon aus das obige Punkte nicht die Ursache sind, Du vermutlich schon einiges probiert hast, aber mit dem Geschmack trotzdem auf keinen grünen Zweig mehr kommst.

Mehr ist weniger

Die Überschrift verrät die Lösung. Anstatt immer mehr Aroma zu dosieren liegt die Lösung darin weniger zu nehmen (bzw fertig gekauftes Liquid zu verdünnen) um mehr Geschmack zu bekommen. Das klingt möglichweise widersinnig, aber es stimmt tatsächlich. „Viel hilft viel“, das funktioniert bei Aromen nicht – im Gegenteil kann man sich sicher sein das ab einem bestimmten Punkt der Geschmack völlig kippt, und es nur noch chemisch / eklig / nach sonstwas schmeckt.
Im Prinzip ist es ähnlich wie beim Essen: Eine Prise Pfeffer hebt den Geschmack, zuviel Pfeffer dominiert alles, und macht die Zunge unsensibel für die eigentlichen Nuancen des Essens. Oder schütte mal 10 ml Maggie-Würze in die Suppe… 😉
Eine niedrigere Dosierung kann auch dazu führen das sich der Geschmack erst richtig entfaltet, klarer, runder, und nuancenreicher wird. 

Mehr Aroma, das hilft, wenn überhaupt, nur für eine gewisse Zeit. Dampf-Einsteiger sind oft noch-Raucher und haben einen geplätteten Geschmackssinn und benötigen mehr Stimulans für ihre Geschmacksnerven. Daher sind etwas höhere Aromakonzentrationen am Anfang ok, es soll ja schließlich auch nach was schmecken. Hat sich der Geschmackssinn erholt braucht man die hohen Konzentrationen nicht mehr – sie führen dann nur zu einer schnelleren Abstumpfung und/oder Geschmacksirritationen. Mit dem höher-höher-höher-Dosieren dreht sich die Spirale von geschmacklicher Abstumpfung/Irritation immer schneller. 

Nun wird es in den meisten Fällen erstmal nichts helfen die Aromakonzentration zu reduzieren, Ausnahme: Wenn das Aroma eklig oder nach einem anderen Geschmack schmeckt, dann kann eine Reduktion einen sofortigen Effekt bringen.

Meistens hat man sich aber eine Abstumpfung eingehandelt, ist also geschmacksblind, und dann nützt eine Reduktion erstmal nichts, oder es ist so fad das es eh keine Laune macht. Daher lieber einmal richtig den verwirrten Geschmackssinn „auf Null“ stellen:

Reset

Einen Geschmacks-Reset erreichst Du indem Du das Aroma komplett weglässt. Also pure Basis dampfen, mit beliebigen Anteilen von PG/VG/Wasser. Falls Du Dein Liquid selbst mischt kannst Du so nebenbei auch noch prüfen ob mit Deiner Basis alles ok ist.

Pure Basis kann ein klein wenig muffig schmecken wenn sie MTL gedampft wird, das ist normal.

DTL, oder besser gesagt Open Draw gedampft sollte sie nicht muffig, sondern einen leicht süßlichen Geschmack haben (der vom VG kommt), und angenehm zu dampfen sein. Du brauchst dazu einen Verdampfer durch den ordentlich Luft geht, da gibt es zahlreiche, wie zB den Limitless, es gibt aber natürlich noch 952 andere die schön offen sind.
Außer der leichten Süße sollte die pure Basis dann keine Auffälligkeiten im Geschmack haben, eher vom Typ „nichtssagend“. 

Du wirst evtl. etwas Nikotin hinzugeben wollen, wenn Du Nikotin gewöhnt bist. Ansonsten könntest Du zum Zombie mutieren und versehentlich Menschen in Deiner näheren Umgebung aufessen, was Dir später u.U. leid tut.
Wie Du Nikotin mischen kannst steht im unteren Teil des Abschnitts „Wieder am Anfang„.

Von der Rückbank: Sind wir bald daahaa?

Wie lange Du pures Liquid dampfen solltest um den Reset zu erreichen kann man unmöglich sagen, da jeder Jeck anders ist. Bei mir war es schon nach 2 Tagen ok, bei Dir dauert es vielleicht eine Woche, man weiß es nicht…

Ich würde mindestens die ersten zwei Tage streng sein und nicht „mal zwischendurch etwas mit Aroma probieren“. Der Reset kann nur besser werden je länger und konsequenter die Aroma-Pause andauert, und die Menge an Aroma die man anschließend benötigt niedriger.

Menthol-Turbo

Du magst kein Menthol? Lies trotzdem weiter: Im Gegensatz zu Menthol-Bonbons, oder Menthol-Zigaretten kannst Du bei der E-Zigarette mit Mentholkristallen  AM EB  vollkommen frei bestimmen wieviel Menthol Du haben möchtest – ein starker „Wow-Effekt“ im Hals muss gar nicht sein, falls Dir das unangenehm ist.

Denn Menthol ist sehr hilfreich den Geschmackssinn auf „Null“ zu bringen. Es kann damit sehr sehr sehr schnell funktionieren. Nach einer Tankfüllung kann schon eine deutliche Verbesserung da sein. Ich würde empfehlen es zumindest einen Tag zu dampfen, und dann mal testen wie’s mit normalem Liquid ausschaut.

Guckst du: Vaping-Tools. 🙂

Wieder am Anfang

Nach dem Reset dosiere das Aroma nicht nach irgendwelchen Vorgaben/Vorschlägen, sondern von gaaaaanz unten, beispielsweise für Dich wahrscheinlich unglaublichen 0,2%. Wenn Du gar nichts schmeckst würde ich Dir eine Verlängerung des pur-Dampfens empfehlen, es kann aber auch sein das Du ein grober Klotz weniger sensibel bist und bei 0,2% tatsächlich gar nichts schmeckst – jeder Jeck ist anders, die Anzahl der Geschmacksknospen zB…

Dosiere Dich in 0,1% Schritten nach oben. Wenn Du sensibel bist kann ein 0,2%-Schritt schon zu groß sein, je nach Aroma.

Dosiere so lange höher bis sich der Geschmack nicht mehr wesentlich intensiviert. Bei mir ist das meist um die 0,5% herum. Einige intensive/penetrante Aromen sind mir mit 0,2% schon völlig ausreichend dosiert, während andere dann auch mal bis zu 1% vertragen, ist aber beides die Ausnahme.

Das Dosieren des Aromas kannst Du schnell und sauber mit einer Feinwaage machen. Beim Aroma-Minimal-Dosieren ist es ratsam eine mit sehr hoher Präzision (0,001g) zu nehmen:  AM EB
Beispiel: Eine 5ml Testmischung mit 0,2% Aroma sind 5/100*0.2 = 0,01g. Eine Waage mit zwei Kommastellen hat dafür keine ausreichende Wiegegenauigkeit, auch wenn das Display etwas anderes verspricht.

Falls Du keine Waage hast geht es auch mit Tröpfchen-Zählen. 1 ml sind ca. 50 Tropfen Liquid. Bei 20 ml Basisliquid entspricht ein Tropfen Aroma dann ca. 0,1%. Ist aber sehr pi mal Daumen, weil die Tröpfchengröße je nach Dropper sehr unterschiedlich sein kann. Ist aber erstmal egal, denn um zu prüfen ob Du mit einer Minimaldosierung überhaupt etwas anfangen kannst reicht es. Sei nur geduldig und taste Dich Tropfen für Tropfen nach oben.

Mikro-Mengen-Dosierung...

Es kann unter Umständen hilfreich sein das Aroma selbst vorzuverdünnen, weil man dann die winzigen Mengen leichter & genauer dosieren kann.
Zum Beispiel: 1 ml Aroma mit 9 ml Basis strecken, dann entspricht die gewohnte Dosierungsmenge real nur noch 1/10. Dosiert man dann also zB gewohnte „4%“ sind das real nur noch 0,4% und man kann die feinen Abstufungen leichter abmessen.

Wenn Du dein Aroma vorverdünnen möchtest, dann am besten mit fix und fertiger Basis (gewünschter PG/VG/Nikotin-Anteil enthalten), denn dann verändern sich deren Anteile im finalen Liquid nicht, wenn Du weiteres Aroma hinzugibst…

Deine Dampf-Schmeck-Tests kannst Du sofort, nach sehr gutem Schütteln des Liquids, machen. Bedenke nur das sich durch Reifung der Geschmack noch weiter positiv verändern kann, und ggf. auch noch intensivieren kann. Daher würde ich am unteren Ende von „schmeckt mir gut“ mit dem Aroma aufhören. Sprich, wenn Du zum Beispiel zwischen 0,4 und 0,6% keinen großen Unterschied mehr feststellst, würde ich mich definitiv für 0,4 entscheiden…

Je weniger Aroma, desto weniger schnell treten später wieder die Effekte der Gewöhnung / Übersättigung / Abstumpfung ein.

Bedenke beim Testen dass eine neue Mischung eine Zeit braucht um in der Wicklung anzukommen (neues Liquid vermischt sich mit altem im Docht) und das Du einen Verdampfertank ganz leeren musst, damit die vorige Mischung nicht zu sehr die aktuelle beeinflusst.

Fertig gekauftes Liquid

Falls Du nicht selbst mischt sondern fertiges Liquid verwendest ist Dir wahrscheinlich nicht bekannt wieviel Aroma da drin ist. Ich würde es in dem Fall testweise erstmal 1:19 verdünnen, also 19 ml pure Basis und 1 ml fertiges Liquid hinzu geben. Wenn Du gar nichts schmeckst gib einen weiteren Milliliter Liquid hinzu.

Wenn Du Nikotin verwendest kannst Du es für die ersten Tests weg lassen – es geht erstmal nur darum zu prüfen ob Du mit minimal dosiertem Liquid geschmacklich etwas anfangen kannst. Falls ja, dann kannst Du Dir später geschmacksneutrale Nikotin-Basis so verdünnen das sie Deinem gewünschten Nikotin-Gehalt entspricht. Mit dieser angepassten Nikotin-Basis kannst Du dann Deine Liquids ganz einfach beliebig verdünnen – der Nikotingehalt stimmt dann immer automatisch.

Beispiel & Verdünnungsrechnung...

Nehmen wir an Du hast eine 10ml-Flasche Nikotin-Basis mit einem Nikotin-Gehalt von 20mg und möchtest mit 6 mg Nikotin dampfen. Dazu musst Du zu der Nikotin-Basis 23,3 ml Nuller-Basis (also ein Gemisch aus PG / VG / Wasser) hinzu geben und hast somit final eine Menge von 33,3ml Basisliquid mit 6mg Nikotin.
Ausrechnen lassen kann man das bequem auf liquidmaker.de, im Abschnitt „Verdünnungs-Berechnung“, inkl. beliebiger Wünsche/Vorgaben von PG/VG/Wasser-Anteilen. Auf dem Bild habe ich obiges Beispiel eingetragen:

Zeile 1: Das „Basisliquid“ ist hier eine 20mg Nikotin-Basis mit 50/50 PG und VG.
Zeile 2: VG, ich hab pures, ohne Wasseranteil („H2O“ ist Wasser).
Zutaten mit diesen Eigenschaften findest Du unten verlinkt.
Zeile 3: Gewünschtes Endprodukt (das womit Du später die Liquids verdünnen möchtest um den Aroma-Anteil zu senken). Du kannst hier beliebig die Anteile für Deine Wünsche ändern.

Der Abschnitt „Benötigte Menge“, zeigt was Du zu der Nikotin-Basis hinzugeben musst:
Zeile 1: Die Menge an purem PG.
Zeile 2: Die Menge an VG.
Zeile 3: Die Menge an Wasser (H2O).
Zeile 4, „oder 0’er fertig Base“: Wenn Du regelmäßig Nikotin-Basis verdünnst dann kann es angenehmer sein sich eine „Vorbasis“ zu mischen, die man dann fix und fertig zur Nikotinbasis hinzu kippt – dann muss man nicht jedes mal mit den Einzelzutaten hantieren. Das ist mit dieser Zeile gemeint.

Gewöhnung

Das Symptom „Das Liquid schmeckt nach nichts“ ist nicht zwangsläufig auf Aroma-Überdosierung zurückzuführen. Esse 2 Tage nur Karotten, und Du wirst nicht mehr die Intensität im Geschmack haben die Du nach 4 Wochen „Karotten-Pause“ haben würdest. Beim Dampfen ist es genau wie beim Essen – immer das gleiche, oder zu oft ein bestimmtes Aroma, stumpft den Geschmackssinn ab.

Dieser Punkt der Gewöhnung/Abstumpfung bleibt also auch nach dem Geschmacks-Reset erhalten – bei Aroma-Niedrigdosierung aber sehr sehr deutlich weniger ausgeprägt.

In jedem Fall sollte man ein paar Aromen zur Abwechslung haben, und nicht andauernd das gleiche dampfen, auch wenn das Cookie-Liquid gerade so saulecker ist, mjam. 🙂 20 Aromen zu haben, die man gern dampft, schadet sicher nicht. Und je bunter desto besser, sprich, süßes, fruchtiges und seltsames. 😉 Im „echten Leben“ bekommt die Zunge noch viel mehr geboten.

Fazit

Geheilte Dampferzunge
Eindeutig geheilte Dampferzunge

Mir hat der Geschmacks-Reset und die Aroma-Minimaldosierung sehr geholfen. Und ich war mit meinem Geschmacks- und Dosierungslatein echt am Ende… Ich schmecke nun die Aromen wieder richtig (das was auf’m Etikett steht wird von der Zunge bestätigt) und ich bin erheblich weniger schnell abgestumpft, wenn ich ein tolles Aroma mal länger dampfe.

Vorbei sind auch seltsame Eindrücke wie „das Liquid riecht nach Nagellack“ und ähnliches. Überdosiert, weiß ich heute.

Auch die Liquid-Reifung ist weniger ein Thema. Die findet noch statt, aber das ich ein Liquid gar nicht gleich dampfen könnte, oder das es am Anfang bäh, und nach einem Jahr Reifung super schmeckt, das ist mir nicht mehr untergekommen.

Zudem hat sich meine Ausschussquote bei Aromen unglaublich verändert. Früher sind ca. 8-9 von 10 Aromen bei mir durchgefallen. Aromen sind nach wie vor gut oder weniger gut gelungen, aber „bäh, undampfbar“, dass habe ich seitdem nicht mehr erlebt.

Und noch ein positiver Nebeneffekt: Mit weniger Aroma setzen sich die Wicklungen / Verdampferköpfe nicht so schnell zu, der Verschleiß ist geringer.

Da eben jeder Jeck anders ist freue ich mich über Kommentare wie es Dir mit der Dampferzunge ergangen ist, und ob Du Deine Aromakonzentration auch erfolgreich verringert konntest. Bei mir war es drastisch, von zuletzt ca. 4-7% auf um die 0,5%. 🙂

Anerkennung

Wenn ich dir mit diesem Beitrag helfen konnte, würde ich mich über eine kleine Anerkennung freuen. Ich würde dann sogar mit den Armen rudern – und ich rudere nicht leichtfertig mit den Armen! 😉

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